Geplante Tierwohlkennzeichnung der Bundesregierung untergräbt niedersächsische Ziele für mehr Ökolandbau – LÖN fordert zusätzliche Qualitätsstufe für ökologische Produkte

Das Bundeslandwirtschaftsministerium hat den Entwurf für ein Tierwohllabel vorgelegt, welches
dem Verbraucher die Bedingungen der Tierhaltung transparenter machen soll. Diesem selbst
gesteckten Ziel wird der Entwurf nach Ansicht von Vertreterinnen und Vertreter des Öko-Landbaus
in keiner Weise gerecht. Sie fordern Nachbesserungen.

Ihre Kritik zielt insbesondere auf die Bündelung ökologischer und konventioneller Standards in
einer Stufe, wodurch die Verwirrung für die Verbraucher nur noch größer wird. Außerdem werden
die Tierwohlleistungen der ökologisch wirtschaftenden Betriebe vernachlässigt. Dr. Yuki Henselek,
Vorstandsmitglied der Landesvereinigung ökologischer Landbau Niedersachsen e.V. (LÖN) erklärt:
„Die aktuellen Planungen für das neue Tierwohllabel sind ein Schlag ins Gesicht für die Öko-
Bauern, die sich tagtäglich für besonders hohe Tierschutzniveaus in ihren Ställen einsetzen. Es ist
nicht nachvollziehbar, dass es keine eigene Stufe für die Ökologische Landwirtschaft als höchsten
Tierwohlstandart in Deutschland geben soll. Wir haben in diesem Bereich bereits seit Jahren ein
einheitliches und praxiserprobtes Kontrollsystem.“ Die LÖN fordert deshalb, die geplante
dreistufige Tierwohlkennzeichnung der Bundesregierung um eine zusätzliche Qualitätsstufe für
ökologische Produkte zu erweitern.

Sie sieht dabei auch die niedersächsische Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast in der
Pflicht. Denn mit der Umsetzung des geplanten Tierwohllabels würden auch die niedersächsischen
Ziele für mehr Ökolandbau zusätzlich gefährdet. Bis 2025 sollen 10 % und bis 2030 sogar 15 %
der landwirtschaftlichen Nutzfläche in Niedersachsen ökologisch bewirtschaftet werden. Derzeit
sind es gerade 5 %. Henseleks Vorstandskollege Everhard Hüseman: „Mit der geplanten
Tierwohlkennzeichnung des Bundeslandwirtschaftsministeriums würden sich die
Rahmenbedingungen für den Ökolandbau weiter verschlechtern. Die geplante dreistufige
Kennzeichnung lässt die besonders tierwohlorientierten Richtlinien der ökologischen
Landwirtschaft außen vor. Stattdessen werden die Ökohaltungsbedingungen mit konventionellen
Haltungsbedingungen gleichgestellt und damit hinsichtlich ihrer Vermarktbarkeit geschwächt.”
Um das niedersächsische Ziel zu erreichen, ist es dringend erforderlich, eine zusätzliche Stufe für
Ökoprodukte einzuführen, um die Position des Ökolandbaus am Markt zu stärken. Diese vierte
Stufe des Tierwohllabels muss den Tierhaltungskriterien der Ökologischen Landwirtschaft
entsprechen und ausschließlich deren besonders hohen Ansprüche an die Tierhaltung
kommunizieren. Damit würde der Entwurf seinem Ziel, Transparenz für den Verbraucher zu
schaffen, eher gerecht.

Aus Sicht der LÖN gibt es weitere Kritikpunkte am Entwurf: Sie fordert, das Tierwohllabel
gesetzlich verpflichtend einzuführen. Der bisherige Plan sieht eine Beteiligung lediglich auf
freiwilliger Basis vor. Zudem müsse der Standard für die unterste Stufe deutlich angehoben
werden. Dr. Yuki Henselek: „Die Idee des Tierwohllabels begrüßen wir grundsätzlich. Am jetzigen
Entwurf sehen wir jedoch deutlichen Nachbesserungsbedarf.“

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