PM Kantine ML: Keine Bio-Produkte im Ministerium – Chance vertan

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums müssen
weiterhin auf Speisen und Getränke aus dem ökologischen Anbau verzichten. In der Kantine gibt
es weiterhin kein ausgewiesenes Angebot an ökologisch erzeugten Lebensmitteln.Gleichzeitig
möchte das Land den Öko-Landbau stärken und ausbauen. Dessen Vertreterinnen und Vertreter
fordern daher, den Worten auch Taten folgen zu lassen. Der Öko-Landbau sei einer der
wichtigsten Bausteine des niedersächsischen Weges, wirbt das Land Niedersachsen auf der
entsprechenden Internetseite. Der kürzlich beschlossene „Niedersächsische Weg“ beschreibt die
Vereinbarung zwischen Land, Landwirtschaft und Naturschutz, um eine Erhöhung der Artenvielfalt
zu erreichen.

„Die beteiligten Ministerien für Landwirtschaft und Umwelt werden nicht müde, die Bedeutung des
Öko-Landbaus für die Erhöhung der Artenvielfalt zu betonen. Wenn es um die Ausgestaltung des
niedersächsischen Wegs geht, bleiben wir jedoch außen vor,“ kritisiert Andreas Jessen als einer
der Vorstände der Landesvereinigung ökologischer Landbau Niedersachsen (LÖN). Zudem
vermissen Jessen und seine Kollegin und Kollegen ein konsequentes Handeln, um die ehrgeizigen
Ziele im Hinblick auf den Öko-Landbau zu realisieren: Bis 2025 sollen 10 % und bis 2030 sogar 15
% der landwirtschaftlichen Nutzfläche in Niedersachsen ökologisch bewirtschaftet werden. Derzeit
sind es rund 5 % – damit ist Niedersachsen bundesweit Schlusslicht.

„Die Umstellung auf Öko-Landbau braucht Unterstützung. Wir Landwirtinnen und Landwirte
brauchen Abnehmer für unsere Produkte. Da sollten die Ministerien mit gutem Beispiel vorangehen
gehen und ihren Worten Taten folgen lassen. Zumindest Teile der Belieferung in öffentlichen
Kantinen sollten in ökologischer Qualität erfolgen“, sagt Thomas Morgenstern, Landwirt und
ehrenamtliches Mitglied im Vorstand der LÖN. Andreas Jessen ergänzt: „Es passt nicht
zusammen, wenn wir ständig mit warmen Worten bedacht werden, bei finanziellen und
strategischen Fragen jedoch systematisch außen vor bleiben.“

Bereits zum Amtsantritt von Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast sowie mit dem
Beschluss des Aktionsplans Ökolandbau hat die LÖN eine Belieferung der Kantine mit Produkten
aus dem Öko-Landbau an das Ministerium herangetragen. Ihre Vertreter verweisen auf das gute
Beispiel der Stadt Karlsruhe: Dort werden 25 % der gelieferten Nahrungsmittel in öffentlichen
Einrichtungen ökologisch erzeugt. Warum nicht auch in Niedersachsen, fragen sie. Michael Cordts,
ebenfalls Landwirt und ehrenamtliches Vorstandsmitglied der LÖN: „Hier wurde eine große Chance
vertan, die Rolle des Öko-Landbaus zu stärken und den selbst gesteckten Zielen einen Schritt
näher zu kommen.“

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